The Show is Over

Emilene Wopana Mudimu

Ferat Ali Koçak

Yasmin Ayhan

Zuher Jazmati

Eröffnung

26.02.2021

Kuration:

Lewamm Ghebremariam (Hauptkuratorin)

Ausstellung im Außenraum

18.02. – 28.03.2021
(verlängert)


Außeninstallation, initiiert von Erkan Affan im Rahmen des »Open Sesame: A Photophobic Experiment« Programms.

Gefördert von der Initiative

Draussenstadt der
Senatsverwaltung für
Kultur und Europa





»The show is over«


Ein Satz, den die meisten Menschen mit einer zuvor großartigen Vorstellung verbinden. Dem warmen Zufriedenheitsgefühl, dass sich in uns ausbreitet, wenn die Erfahrungen von Kunst, Musik, Tanz, Theater oder Film unsere Erwartungen übertroffen haben.

So manch einer verspürt vielleicht sogar Enttäuschung. 

Enttäuschung darüber, dass das Gesehene, Gehörte, Gefühlte so abrupt zu einem Ende gekommen ist. 

Verlangen nach mehr, da das in unserer Natur liegt.

»The show is over«.

Doch welches Gefühl empfinden wir, wenn es sich bei diesen Vorstellungen um  das wiederholte unerwünschte Zurschaustellen >unserer< Kultur und Leben handelt? 

Fahnen

Vier Punkte, 

abgesteckt wie ein Rahmen, 

Zwinger, 

beengt, 

bezwungen?

Abgesteckt, wie die kolonialen Grenzen, die BIPoC Menschen 

heute noch

bedrängen, beengen und verletzen.

Abgesteckt, wie den Zwinger der Bären ...

und das koloniale Erbe, 

dass die Deutschen bis heute nicht ehren.

»The show is over.«

Gedanken von
Lewamm Ghebremariam

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Das Projekt »The Show is Over« zeigt die Kontinuität Deutschlands problematischer Zurschaustellung von
Black, Indigenous und People of Color (BIPoC) auf und nutzt die dem Bärenzwinger immanete exhibitionistische Natur, um den Künstler:innen Raum für ihre kreative Auseinandersetzung mit dem sozio-historischen Erbe von Museen, Zooanlagen und öffentlichen Ausstellungsräumen in Deutschland und ganz Europa zu bieten.

In ihren Werken reflektieren die Künstler:innen Emilene Wopana Mudimu, Ferat Ali Koςak, Yasmin Ayhan und Zuher Jazmati den kritischen Blick der weißen Mehrheitsgesellschaft und spiegeln anhand eigener Erfahrungswelten in  Teilen die hiesige Lebensrealität von BIPoC wider.

Die kuratorische Entscheidung, die Werke der Künstler*innen auf Fahnen auszustellen, versinnbildlicht die gesellschaftlich konstruierten Grenzen, an die  BIPoC Menschen hier tagtäglich stoßen.


Platziert im Außen, im Draußen, vor dem Ausstellungsraum, setzen die Fahnenmasten eine Reihe von öffentlichen Interventionen in textlicher, visueller und auditiver Form in Gang. Parallel zur Öffnung der Ausstellung »Open Sesame: A Photophobic Experiment« werden die beiden künstlerischen Interventionen am 01.03.2021 virtuell begehbar auf der Webseite des Bärenzwingers zugänglich gemacht.


»The Show is Over« wirft einen intersektionalen Blick auf die verschiedenen Dimensionen von Diskriminierung und dekonstruiert dabei eurozentristische Perspektiven. Black, Indigenous und People of Color (BIPoC) schaffen damit sowohl Verantwortlichkeit, Zugänglichkeit als auch Sicherheit für sich selbst. 


Die künstlerischen Positionen an den Fahnenmasten wehend, verwandeln das Außengelände des Bärenzwingers in einen öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum und involvieren zugleich die umliegende Nachbarschaft auf direkte Weise in die Intervention. Kulturelle Bildung, wird hier fruchtbar  mit der kritischen Auseinandersetzung mit der Kolonialität der eigenen Umgebung verschränkt.


The Show is Over
The Show is Over
Baerenzwinger Berlin
Baerenzwinger Berlin
Baerenzwinger Berlin
Baerenzwinger Berlin

Emilene Wopana Mudimu


Künstlerischer Beitrag


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Fahnen. 

Für mich ein Ausdruck von Nationalitäten. Zwischen denen wir uns bewegten.Und immer noch tun. Wir. Die Kinder der Diaspora. Die früh lernten. Was es bedeutet nichtfrei, sondern gefangen zu sein. In der Vorstellung einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Die esnicht schafft. Eine Heimat zu sein. Für uns alle*. Doch so wie in diesen beengten Zeilen. In denen ich meine Gedanken teile, erschaffen Wir aus den Gegebenheiten neue Stärke und Mut. Um mit unseren eigenen Narrativen über Fremdbestimmung zu siegen.

Worte von WOPANA.
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Biografie

Emilene Wopana Mudimu, geboren am 26.02.1992 in Kinshasa, ist Sozialpädagogin, rassismuskritische Bildungsreferentin, Moderatorin und Spoken Word Künstlerin aus  Aachen. Seit 2012 setzt sie sich aktivistisch in verschiedenen Initiativen und  Projekten für die Schwarze Community ein. Darüber hinaus wird Emilene  Wopana Mudimu bundesweit für Workshops/Vorträge mit den Schwerpunkten Afro Hair Politics, Empowerment-Arbeit mit Schwarzen und of Color Menschen, Antira Sensibilisierungstrainings und Kreatives Schreiben angefragt. Sie war u.a. schon für  die Konrad-Adenauer-Stiftung, DGB, VHS Köln/Aachen und Theater Oberhausen  tätig und kann sich auf Referenzen in der WELT, jetzt, Zeit Campus, Edition F, Vogue und bei WDR beziehen. Sie leitet seit 2014 gemeinsam mit ihrem Ehemann Sebastian Walter ihr  eigenes soziokulturelles Jugendzentrum "KingzCorner" in Aachen.

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Ferat Ali Koçak

Künstlerischer Beitrag


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Eng wird es seit dem Lockdown im eigenen Heim, doch eng war es stets auch im Freien.

Die Blicke von anderen, die mich einordnen, erst nach meinem Aussehen, dann nach meinen Worten, wenn sie es denn überhaupt verstehen.

Sie schaffen ein ‚wir’ und ‚ihr’ in dieser Gesellschaft, auch, wenn sie ein ‚uns’ vortäuschen mit Einzelnen von uns in ihrem wir. Doch spätestens bei der nächsten Polizeikontrolle in Neukölln wissen wir alle wieder wie es ist, wir zu sein, wenn sie zuschauen, als wären wir in einem Bärenzwinger allein.
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Biografie

Ferat Ali Kocak, geboren 1979 in Berlin, ist aufgewachsen in einer Großfamilie als Enkel eines Gastarbeiters, Kind einer Frauenrechtlerin und eines geflüchteten Gewerkschafters. Er engagiert sich seit seiner Jugend in antirassistischen und antifaschistischen Initiativen. Nach einem rechten Anschlag, den seine Familie und er nur durch viel Glück überlebt haben, begann Ferat als @der_neuköllner seinen Straßenaktivismus auch über Social Media umzusetzen, um junge Menschen - insbesondere die von Rassismus betroffen sind - zu erreichen und zu motivieren auch aktiv zu werden. Der Diplom Volkswirt arbeitet als Campaigner im Bereich Rassismus und Rechtsextremismus, und nutzt für seine ehrenamtlichen Aktivitäten seine Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen der freien Wirtschaft im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

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Yasmin Ayhan

Künstlerischer Beitrag


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Maaaaan das kein Rap, dicht dran aber ich bin Dichterin,

Das ist Entertainment in der Töne nicht verpflichtend sind,

Guck auf mein Kopftuch und frag nie wieder ob ich mir sicher bin,

Der Endgegner aller die die Chancen für Frauen verhinderten


Ich widme euch ein Album,

Die Wörter beweisen Haltung,

Die Schultern auch

Attitude oldschool wie Schaltung 

Heb meine Faust nur gegen Spaltung,


Anfang 20, Kopftuch, Afrikanisches Viertel, ich komm aus dem Wedding,

Gib mir 65 Sekunden und du hörst dass ich echt bin,

Es ernst meine, diese Szene rippe weil ich das stärkere Geschlecht bin,

Ich bin nicht die nächste irgendwas, 

Ich bin auf dem Weg zur Vorherrschaft,

weil es sowas wie mich noch nie vorher gab,

Ihr seid Blender und Poser,

Ich vereine Lyrik und Prosa,

Mimik und Wortwahl,

Stile aus 030er Vorwahl,


Immer so sympathisch wie Kai Pflaume

Du hast keine Chance zieh dich zurück wie Frauke

Besser als ihr, allein schon weil ich nicht klaue

Könnte fancy leben doch fahr mit U8 nach Hause


schneller als ne wütende Frau an dich Texte tippen kann,

So treffsicher dass du auf mich Wetten tippen kannst,

Seidenstrasse ein Album ohne Lied,

Du hörst richtig ich rede ohne Beat,

Denn was ich mache ist lebendige Poesie

«

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Biografie

Yasmin Ayhan, bekannt als “YasminPoesy” ist eine Weddinger Poetry Slam Künstlerin. Das Markenzeichen der Berlinerin mit '98er Baujahr ist das Kopftuch und eine vorlaute Art.  Ihre Liebe zur Poesie fühlt man, wenn man den Texten über Gesellschaftskritik, Vorurteile und Melancholie Gehör schenkt. Ihr erstes Album „SeidenStrasse“ ist überall online erhältlich und hat originale Poetry endlich auf Streaming Portale gebracht.

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Zuher Jazmati

Künstlerischer Beitrag


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Im Sommer standen sie an den Hauptbahnhöfen und applaudierten Ihnen zu, weil Sie es nach einer langen Reise hierher geschafft haben. Sie brachten Ihnen Essen, Trinken, Kleidung und Unterstützung mit. Es war eine nationale Mission, sich FÜR Sie einzusetzen. Doch langsam veränderte sich die Stimmung komplett. Das Bild passte plötzlich nicht in das hinein, was man sich vorstellte. Wie können weniger von Ihnen ankommen? Es war eine nationale Mission, sich GEGEN Sie einzusetzen - selbst wenn das der Tod für Sie bedeutet. Freund und Helfer kesselten die “NAFRIS” ein - wie Mensch und Unmensch.

Kontext:


Im Sommer 2015 kamen Tausende von geflüchteten Menschen in Deutschland an. Viele von ihnen waren Männer aus Syrien, Afghanistan oder Irak. Gefühlt jede*r sah es als Pflicht an, dass den Geflüchteten Sicherheit geboten wird. Diese Stimmung veränderte sich schleichend mit Straftaten, die oft von geflüchteten Männern ausgeübt wurden, kippte aber komplett nach den Ereignissen an der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015/2016. Es schien, als ob man von den Geflüchteten Menschen, die man über Jahre systematisch ferngehalten hatte, keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten hätte. Doch als es die gab, musste dagegen wieder systematisch vorgegangen werden: Abschiebestrategien, den Ausbau der Festung Europa, Racial Profiling, etc. Männer of colour wurden zur Silvesternacht 2016/2017 von der Polizei als NAFRIS abwertend und verunmenschlichend bezeichnet, während sie von ihnen, wie ein Zusammenspiel aus Tierwärter und Wildtieren, eingekesselt. Und die deutsche Gesellschaft applaudierte der Polizei für ihre großartige Arbeit im Umgang mit den als “NAFRI” gelesenen Männern zu. Als einige Politiker*innen vorsichtig darauf hinweisten, dass es sich hierbei um Racial Profiling und einer ungerechten Vorverurteilung von nicht-weißen Männern handelte, wurden sie von links bis rechts dafür niedergemacht, wie sie es wagen könnten, die rassifizierende Arbeit der Polizei in Frage zu stellen.
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Biografie

Zuher Jazmati ist politischer Bildner, Podcaster, Trainer, und DJ. Zuher studierte in Marburg und Kairo “Politik des Nahen und Mittleren Ostens” und an der London School of Economics  “Empires, Colonialism and Globalisation”. Er arbeitet seit vielen Jahren zu den Themen (antimuslimischer) Rassismus, (Kontinuitäten des) Kolonialismus, Syrien, Queerness und Intersektionalität. Zuher ist Vorstandsmitglied beim Verein "TakeOver - Verein für Intersektionale Kampagnenarbeit” und Co-Host von BBQ - dem BlackBrownQueeren Podcast.

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Lewamm Ghebremariam

»The show is over«

Ein Satz, den die meisten Menschen mit einer zuvor großartigen Vorstellung verbinden. Dem warmen Zufriedenheitsgefühl, dass sich in uns ausbreitet, wenn die Erfahrungen von Kunst, Musik, Tanz, Theater oder Film unsere Erwartungen übertroffen haben.

So manch einer verspürt vielleicht sogar Enttäuschung. 

Enttäuschung darüber, dass das Gesehene, Gehörte, Gefühlte so abrupt zu einem Ende gekommen ist. 

Verlangen nach mehr, da das in unserer Natur liegt.

»The show is over«.

Doch welches Gefühl empfinden wir, wenn es sich bei diesen Vorstellungen um  das wiederholte unerwünschte Zurschaustellen >unserer< Kultur und Leben handelt? 

Fahnen

Vier Punkte, 

abgesteckt wie ein Rahmen, 

Zwinger, 

beengt, 

bezwungen?

Abgesteckt, wie die kolonialen Grenzen, die BIPoC Menschen 

heute noch

bedrängen, beengen und verletzen.

Abgesteckt, wie den Zwinger der Bären ...

und das koloniale Erbe, 

dass die Deutschen bis heute nicht ehren.

»The show is over.«

Gedanken von
Lewamm Ghebremariam

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Biografie

Lewamm “Lu” Ghebremariam, 1989 in Stuttgart geboren, ist Aktivistin und hauptberuflich Senior Kampagnenstrategin bei der Plattform Change.org Deutschland. Hier unterstützt und berät sie Aktivist*innen seit 2018 mit ihrer Marketing- und Strategie-Expertise. Lewamm begleitete zahlreiche Kampagnen und Initiativen -  mit dem besonderem Schwerpunkt „marginalisierten“ Stimmen mehr Raum zu geben und „Nischen“-Themen, einschließlich #RKellyStummschalten (#MuteRkelly Deutschland), #TrueDiskriminierung oder dem kürzlich verabschiedeten Gesetz gegen Upskirting in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Darüber hinaus ist Lewamm im erweiterten Vorstand der Berliner “Clubcommission". Dabei konzentriert sie sich primär auf das Thema Awareness und bemüht sich um eine diskriminierungsarme, diverse und nachhaltige Clubkultur. Seit 2017 veranstaltet Lewamm die queer-feministische Partyreihe BRENN. Für ihre anhaltende Arbeit marginalisierten Stimmen in Musik und Clubkultur mehr Raum zu geben wurde sie im Dezember 2020 in die “Alternative Power 100 Music List 2020” von shesaid.so und Nativeinstruments aufgenommen.

erkan affan



Erkan Affan, 1994 in London geboren, ist ein*e gender non-comforming Kurator*in, und lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Ausgehend von einem akademischen Hintergrund in »Nahostpolitik« (SOAS) und globaler Migration (UCL) fokussiert sich Erkan in seiner*ihrer Forschung insbesondere auf die Schnittstellen zwischen Sexualität, Gender, Migration und diasporischer Identität. Seit dem Umzug nach Deutschland absolvierte Erkan eine Residency finanziert mit Geldern der Europäischen Union und ist Mitbegründer*in des Queer Arab Barty Kollektivs, das in Berlin soziale und politische Orte für arabische LGBTQIA+ Menschen kuratiert.

In den letzten eineinhalb Jahren kollaborierte Erkan, sowohl im Kollektiv als auch individuell, mit einer Reihe von Veranstaltungsorten und Organisationen über ganz Europa verteilt, darunter das ICA und Rich Mix, London, Haus der Kulturen der Welt, Kunst Werke und ACUD MACHT NEU, Berlin und dem IQMF, Amsterdam.

Kontakt

Bärenzwinger
Im Köllnischen Park
10179 Berlin

T + 49 30 901 837 461
info[at]baerenzwinger.berlin

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Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag

11–19 Uhr

Eintritt frei

Verkehrsverbindungen

U8 Heinrich-Heine Straße

U2 Märkisches Museum

U+S Jannowitzbrücke,

Bus 165, 265, 248

Presse

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